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Bundestagsabgeordnete Bause zu Gast bei der Bildungsagentur

Eingeladen hatte die Bildungsagentur zusammen mit verschiedenen Netzwerkpartnern der Münchner Bildungslandschaft (MVHS Balanstraße, Münchner Flüchtlingsrat, Kolping-pass(t)genau und der BSSA-Kolping) und Frau Bause kam - natürlich mit dem Fahrrad.

Nach einer Begrüßungsrunde mit Kaffee und Häppchen wurde direkt in das Thema eingestiegen: „Chancen und Herausforderungen in der Arbeit mit Geflüchteten“.

Um Frau Bause einen Einblick in die Arbeit mit Geflüchteten zu geben, wurde aus Erfahrungen berichtet und Fallbeispiele aus der täglichen Praxis erläutert. Hauptausgangspunkt war die Feststellung, dass Engagement und Arbeitsauftrag an den Schulen und in der Betreuungsarbeit während der Ausbildung häufig mit von außen gesetzten Grenzen kollidieren. Es werden Sozialarbeitsstunden aufgrund des Rückgangs von Flüchtlingsströmen gestrichen, obschon sich eine Vielzahl derer, die in München Fuß gefasst haben genau in den Arbeitsfeldern der Blidungsagentur (Ausbildung Jugendhilfemaßnahmen etc.) wiederfänden. Viel Zeit, Geld und Engagement für Integrationsbemühungen verpuffen demnach durch unsichere Bleibeperspektiven und immer wiederkehrende demotivierende Abschiebemaßnahmen.

Im Gespräch wurde somit schnell klar, dass allen ähnliche Themen in der aktuellen Flüchtlingspolitik „unter den Nägeln brennen“:

  • Warum erhalten Asylsuchende nach Abschluss einer berufsintegrierenden Maßnahme keine  Arbeitsgenehmigung obwohl Ihnen seitens des Betriebs ein Arbeits- oder Ausbildungsplatz angeboten wird? Damit kann das Ziel der Maßnahmen, die Integration in den Arbeitsmarkt, nicht umgesetzt werden.
  • Wie können Geflüchtete aus Nicht- Top 5-Ländern sinnvoll unterstützt und motiviert werden, sich weiterhin in unsere Gesellschaft zu integrieren, trotz fehlender Bleibeperspektive?
  • Wie kann ein Reha-Status bei Geflüchteten festgestellt werden und welche Integrationsmaßnahmen gibt es für eine adäquate Förderung dieser Personengruppe?
  • Wie können wir uns für einheitliche Entscheidungen bspw. durch Behörden und Ämter stark machen, die nicht zu Lasten der Flüchtlinge gehen?

So wurde zum Beispiel über Pro und Contra langandauernder Asylverfahren debattiert.

Zum einen wäre ein schnelleres Verfahren wünschenswert zur Vermeidung von Schwebezuständen,  zum anderen erscheint ein langsames Verfahren sinnvoll, um den Geflüchteten Zeit zu geben in Deutschland anzukommen und psychologisch begleitet zu werden.

Die Zugangskriterien müssen am Maßnahme-Ziel orientiert festgelegt werden (Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen, Integration in Arbeit und Ausbildung, Integration durch Bildung und Teilhabe), um dem Auftrag von allen schulischen und berufsintegrierenden Maßnahmen gerecht zu werden.

So stellt die Bildungsagentur den Sinn und Zweck von Ausbildungs- und Arbeitsverboten, sowie Verbote von Anschlussmaßnahmen in Bezug auf die Integrationsförderungen in Frage.

 

Abschließend wurde Frau Bause zu Handlungsstrategien befragt, damit die Wünschen der Anwesenden auch auf politischer Ebene wahrgenommen werden. Dabei wurde die Bedeutung von Petitionen, Demonstrationen, Podiumsdiskussionen und weiteren öffentlichen Positionierungen hervorgehoben.

Aus Sicht der Gesprächsteilnehmer wäre es wichtig, arbeitswillige, motivierte Geflüchtete voller Tatendrang mit vorhandenen Deutschkenntnissen unabhängig vom Asylverfahren eine Ausbildungserlaubnis bzw. Arbeitserlaubnis zu erteilen. Einerseits kann damit dem vorherrschenden Fachkräftemangel entgegengewirkt werden und die Geflüchteten erhalten mehr finanzielle Unabhängigkeit.

Andererseits kann vermieden werden, dass Frustrationen aufgrund des Schwebezustands bezüglich des Aufenthalts oder der Nichtbeschäftigung in Aggression oder Depression umschlägt.

Frau Bause bedankte sich für die Einblicke in die Arbeit der Bildungsagentur und schloss das Zusammentreffen sinngemäß mit den Worten: „ …es tut gut, sich gegenseitig immer wieder zu motivieren und zu inspirieren, um auch mal Luft zu holen und Kraft zu sammeln zum Weitermachen!“

 

Yvonne Bamschoria, Susanne Bernhardt und Judith Kelö

02.08.2018
Fotos: Kolping München