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Die Hoffnungslosigkeit übermalen

Die Jugendlichen in der Gemeinschaftsunterkunft der Peter-Freisl-Straße in Bad Tölz haben es alles andere als leicht. Nach der Flucht aus ihren Heimatländern sind viele akut von Abschiebung bedroht und leiden unter psychischen Problemen. Doch seitdem die Kolping Bildungsagentur im Rahmen Ihrer pädagogischen Förderung der Berufsintegrationsklassen an der Berufsschule zusätzliche Angebote bereit stellt, hat sich die Situation deutlich verbessert und die Bewohner haben zumindest stückweise die Möglichkeit aus ihrer Lethargie auszubrechen.

So wurden die Öffnungszeiten des Gemeinschaftsraums in der Berufsschule deutlich verlängert und sollen durch freiwillige Helfer nochmal erweitert werden. Zudem wurden Instrumente angeschafft, die die Bewohner jederzeit benutzen können und es gibt immer wieder Gruppenaktionen, die den Geflüchteten ein bisschen Spaß und Selbstvertrauen zurückgeben sollen.

Eine Gruppe der Berufsintegrationsklassen in Bad Tölz hat sich jetzt beispielsweise in der Acrylmalerei ausprobiert. Die junge Künstlerin Clara Koenigsbeck hatte sich gerne dazu bereit erklärt ehrenamtlich mit den Geflüchteten zu arbeiten. Gemalt wurde mit Acryl und den Fingern, um ein direkteres Gefühl zum Material zu bekommen und sich auszudrücken.

Zu Reggeamusik und Arabicsound und unter Anleitung von Koenigsbeck ging dann alles ganz von alleine. Alle Teilnehmer halfen sich gegenseitig aus und zeigten Respekt und Bewunderung. Manche waren so begeistert, dass es mit einem Bild nicht genug war und sie gleich mehrere hintereinander malten – einige Werke wurden spaßeshalber sogar als Picassos gelobt. Das einzige Mädchen der Gruppe, Rukaja aus Syrien, malte beispielsweise ein eindrucksvolles Bild einer modern gekleideten Frau mit offenen Haaren, für das sie viel Lob aus der Gruppe erhielt.

In der Berufsintegrationsklasse, die die Sozialpädagogin Frau Katrin Englert für die Kolping Bildungsagentur betreut, haben fast alle einen Abschiebebescheid oder sind nur geduldet, viele von ihnen stammen aus Sierra Leone. Sie dürfen keine Ausbildung machen und auch nicht arbeiten – sie haben keine wirkliche Perspektive in Deutschland. Umso wichtiger sei es deshalb laut Englert den jungen Menschen eine Plattform zu bieten, sich selbst zu entwickeln und positive Momente zu schaffen. Es sei wichtig den jungen Menschen Möglichkeiten zu bieten, um positive Gefühle zu erleben, damit sie zumindest für ihre Persönlichkeit eine Weiterentwicklung erfahren.

So ist sie dankbar, dass die Kolping Bildungsagentur um Christa Niggl, die Bereichsleitung vor Ort in Bad Tölz und Verena Seischab aus der Münchner Geschäftsführung solche Projekte voranbringt und unterstützt – auch finanziell. Doch auch von außerhalb wächst die Hilfe weiter: Unter anderem hat der Kolping-Bezirksverband Bad Tölz-Wolfratshausen-Miesbach seine Hilfe zugesichert, um beispielsweise an eine dringend benötigte Waschmaschine zu kommen, zusammen mit der Caritas wird ein Programm zur Trauma-Bewältigung aufgebaut (Trigg) und ein Arzt aus Bad Tölz bietet regelmäßig seine medizinische Beratung an. Im November wünschten sich die Jugendlichen einen christlichen Gottesdienst zu feiern und so kam der Kolping Diözesanpräses Christoph Huber zu einem Gottesdienst für Geflüchtete.

Die Maßnahmen, die die Kolping Bildungsagentur anbietet, können selbstverständlich auch keine Wunder bewirken. Nach wie vor hat jeder Bewohner der Unterkunft sein ganz persönliches Schicksal zu tragen, aber zumindest helfen die Projekte und Angebote dabei aus dem aufgezwungenen Nichts-Tun und der eigenen Hoffnungslosigkeit auszubrechen. Gerade über Musizieren, gemeinsames Beten oder Malen entsteht das so wichtige Gefühl von Gemeinschaft, gegenseitigem Respekt und Wertschätzung.



Simon Vornberger, Referent für Öffentlichkeitsarbeit

20.12.2018
Fotos: Kolping München