Suche

Jedes Schuljahr ist ein Wunder

Es gibt viele Gründe, wieso Jugendliche keine Ausbildung beginnen. Mit Hilfe der Kolping Bildungsagentur schaffen es die meisten dann aber doch - ein Bericht des Münchner Kirchenradios.

Die Kolping Bildungsagentur engagiert sich für junge Leute, denen die Voraussetzung für den Start in die Ausbildung fehlt. Kein Schulabschluss, Entwicklungsstörungen oder schlechte Deutschkenntnisse sind die häufigsten Ursachen dafür, dass Jugendliche keinen Ausbildungsplatz finden, erklärt Christina Niggl. Sie koordiniert bei der Kolping Bildungsagentur in Bad Tölz die Zusammenarbeit mit den Berufsschulen in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach. Zusammen mit den Schulen organisiert Kolping die Berufsintegrationsklassen. Dabei teile man sich die Arbeit, so Niggl. Die Schüler besuchen die eine Hälfte der Schulzeit die Berufsschule und verbringen die andere Hälfte in der Kolping Bildungsagentur. Dort durchlaufen die Jugendlichen eine berufliche Orientierungs- und Qualifizierungsphase und erhalten eine intensive Förderung in deutscher Sprache. Außerdem organisiert Kolping betriebliche Praktika. Denn das erhöhe später die Chance auf einen Ausbildungsplatz, erklärt Niggl. Und wer noch keinen Schulabschluss hat, kann den in der Berufsintegrationsklasse nachholen.

Die Erfolgsquote bei dieser speziellen Form der Berufsvorbereitung kann sich sehen lassen. 85 Prozent der Schüler bekommen nach der Maßnahme tatsächlich einen Ausbildungsplatz, erzählt Niggl nicht ohne Stolz. Sie empfindet jedes Schuljahr wie ein Wunder. Da würden natürlich Kämpfe ausgefochten mit den Schülern, wenn sie sich zunächst verweigern oder es Probleme mit den Eltern gibt. Wenn dann aber der Moment kommt, dass der Schüler im Praktikum endlich einmal einen Achtstunden-Tag durchhält und schließlich den Ausbildungsvertrag in der Tasche hat, habe sich der Aufwand gelohnt. Viele besuchten sie nach der Ausbildung und sagten: „Frau Niggl, das war genau das Richtige, und super, dass Sie damals auch ein bisschen streng waren und mich so genervt haben.“ Für Christina Niggl sind das die „Wahnsinnsmomente“, die sie in ihrer Arbeit bestätigen. Die haben ihr auch immer wieder geholfen, schwierige Zeiten durchzustehen. Gerade die vielen jugendlichen Asylbewerber seien seit Herbst 2015 eine große Herausforderung für sie und ihr Team gewesen. „Es war eine Riesenwelle, und wir haben ganz fest zusammenhalten müssen.“ Mit der Zeit sei aber ein Netzwerk aus vielen Helfern entstanden, mit dem man die Lage gemeistert habe. Und Christina Niggl fügt ganz selbstverständlich hinzu: „Es geht kein Schüler von uns, der nichts in der Hand hat.“ Das gelte für alle Schüler, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund.

 

Paul Hasel, Münchner Kirchenradio

09.01.2019