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Künstler mit Smartphone

Handys sind im Unterricht normalerweise unerwünscht, immer wieder kommt es deshalb zu Konflikten zwischen Pädagogen und unkonzentrierten Schülern, die ihre Finger einfach nicht von ihren Smartphones lassen können. Aber beim Projekt „Film it“, einer Kooperation der Sammlung Goetz mit der Kunstagentur Filomele und dem Haus der Kunst, waren Smartphones ausdrücklich erlaubt und sogar notwendig.

Teilnehmer einer Berufsintegrations-Klasse (BIJ) an der Kolping Bildungsagentur in München hatten bei dem Workshop im Haus der Kunst die Gelegenheit, mit ihren Smartphones gemeinsam künstlerische Kurzfilme zu drehen. Dabei stellten die jungen Digital Natives eindrücklich unter Beweis, dass sie nicht nur daddeln und chatten, sondern auch kreativ und künstlerisch mit ihren Mobilgeräten umgehen können.

Ohne teures Filmequipment, lediglich mit ihren Handykameras ausgestattet, erstellten die BIJ-Teilnehmer in verschiedenen Gruppen, unter Anleitung von zwei Kunstpädagoginnen, innerhalb eines Vormittags mehrere künstlerische Kurzfilme. Inspiriert wurden sie dabei von Licht, Schatten, selbst erzeugten Tönen, Farbfiltern und verschiedenen Objekten. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Da verschwindet etwa das Wort „Love“ allmählich, bis am Ende nur noch diffuses rotes Licht übrigbleibt. Ein anderer Film sieht wie ein farbenfrohes expressionistisches Gemälde aus, das in Bewegung gerät und sich verselbständigt. In einem Schwarz-Weiß-Film erzeugen mehrere sich bewegende Hände eine düstere Stimmung.

Als Vorbereitung auf den Workshop durften sich die BIJ-Schüler im ehemaligen Luftschutzkeller im Haus der Kunst die Ausstellung „Generations. Künstlerinnen im Dialog“ der Sammlung Goetz ansehen, die sich mit dem Thema Körper und Identität aus weiblicher Perspektive beschäftigt. In dieser düsteren und beklemmenden Atmosphäre – sogar die Gemeinschaftsduschen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs sind noch erhalten – konnten sich die Teilnehmer einen Überblick über Filme und Installationen von Künstlerinnen aus den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart verschaffen. Dabei lernten sie verschiedene Videotechniken kennen, von Stop-Motion-Filmen mit Knetfiguren, bis hin zu Computeranimationen.  

Auch von der Geschichte des neoklassizistischen Bauwerks, an der Südspitze des Englischen Gartens gelegen, das unter persönlicher Beteiligung Adolf Hitlers in den 1930er Jahren als „Haus der Deutschen Kunst“ erbaut wurde, erfuhren die jungen Teilnehmer. Das Ausstellungsgebäude, welches die Nazis ursprünglich zu dem Zweck errichtet hatten, „deutsche“, also nationalsozialistische Kunst zu präsentieren, zeigt heute moderne und experimentelle Kunstwerke aus aller Welt. In diesem Sinne konnten sich auch die jungen Regisseure beim Workshop „Film it“ ausprobieren, und ihre Ideen in Form von Kurzfilmen umsetzen.

Eine Auswahl der originellen Kurzfilme ist unter https://www.sammlung-goetz.de/de/Vermittlung/Kinder-_und_Jugendprogramm/Film_it_HdK.htm zu sehen.
Außerdem sind die Filme der Teilnehmer bei Instagram, Youtube und anderen sozialen Netzwerken unter anderem unter diesen Hashtags zu finden: #sammlunggoetzHDK, #sammlunggoetzteens, #hausderkunst, #filomele.

Die Teilnehmer des Berufsintegrationsjahrs werden bei Kolping und in der Berufsschule auf das Berufsleben vorbereitet. Die Teilnehmer sind überwiegend junge Menschen mit Migrationshintergrund,  zwischen 16 und 20 Jahren, die in der Regel schon ein paar Jahre in Deutschland leben. Neben dem Bewerbungstraining und Deutschunterricht werden auch die kulturelle, soziale und politische Bildung der Teilnehmer gefördert, in diesem Rahmen werden verschiedene Exkursionen angeboten.

Links zu den Videos der BIJ-Teilnehmer auf dem Youtube-Kanal Sammlung Goetz Kids & Teens:

https://www.youtube.com/watch?v=eMmx5dnUTdM
https://www.youtube.com/watch?v=mCa66wp5zKE
https://www.youtube.com/watch?v=epzu63Cb9cg
https://www.youtube.com/watch?v=sH-S3L7eJCw

 

Till Dziallas, Kolping Bildungsagentur

11.02.2019
Screenshot: Kolping München
Foto: Haus der Kunst