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Die AKB im Ausnahmezustand!

Die deutlichsten Veränderungen durch die Corona-Krise hat es in den vergangenen Wochen wohl in den Schulen gegeben. Was sich bei der Adolf-Kolping-Berufsschule mit ihren rund 1400 Schülern alles geändert hat, berichtet Christiane Simbürger aus der Schulleitung.

Die Lehrkräfte der Adolf-Kolping-Berufsschule haben in den vergangenen Wochen alle Möglichkeiten an Kreativität genutzt, um für ihre Schüler*innen da sein zu können. Für unsere Jugendlichen sind der persönliche Kontakt, die individuelle Unterstützung, sowie eine Tagesstruktur und die Hoffnung auf eine Zukunftsperspektive besonders wichtig.
Unsere Jugendlichen verfügen zwar alle über ein Handy, aber die wenigsten über einen eigenen PC, Drucker oder ein Tablet. Die Lehrkräfte waren deshalb vielfältig gefordert, um die Versorgung der Schüler*innen mit individuellen Lernmaterialien zu Hause zu gewährleisten:
Einige nutzten den PC und Videokonferenzen, andere kommunizierten über Lernplattformen, Mail-Kontakt, Telefon oder auf dem Postweg. Aber egal welcher Weg  -  wichtig war der persönliche und regelmäßige Kontakt. Dabei gab es auch von vielen Betrieben großzügige und tatkräftige Unterstützung.
So konnten auch Unklarheiten mit dem Lernmaterial, aber noch viel wichtiger die Ängste und Sorgen der Jugendlichen aufgefangen und gemildert, Fake-News über den Corona-Virus korrigiert werden.
Eltern wie Schüler freuen sich über uns Schule als einen zuverlässigen Ansprechpartner. Wir leben und erleben gegenseitige Wertschätzung auf Augenhöhe!

Außerdem kommt man sich menschlich wieder viel näher als im normalen Schulalltag. Wir erfahren von Stärken unserer Jugendlichen, die sonst nie zur Geltung kommen! Wir sehen unsere Jugendlichen in einem neuen Licht!
Jetzt haben sich die Jugendlichen nach der langen Zeit gefreut endlich wieder ihre Mitschüler und Freunde treffen zu können- trotz gebotener Distanz von 1,5 m oder Masken. Aber nicht nur die Freunde wurden vermisst- manche Schüler*innen freuen sich auch wieder auf ihre Lehrkräfte!

Und wir Pädagogen? Wir haben auch eine Entwicklung durchgemacht:
Zu Beginn waren wir froh über die Stille in den Klassenräumen. Keine Streitigkeiten zu schlichten oder Unterrichtsstörungen zu beheben! Wir haben uns mit neuen Techniken angefreundet und viel dazugelernt. Zum Schluss wurde allen wieder bewusst, wie sehr wir unsere Jugendlichen vermisst haben! Nach den Pfingstferien sind jetzt endlich alle Klassen wieder im Haus, wenn auch mit weniger Stunden und einigen Veränderungen!

Gleich am Eingang begegnen den Jugendlichen und Besuchern jetzt ein deutliches Hinweisschild zur Beachtung des Maskengebots und farbige Linien zur Einhaltung des gebotenen Abstandes.

Im Sekretariat wurden Glasschutzwände aufgestellt und Anmeldungen zum neuen Schuljahr nur mehr nach Terminvergabe entgegen genommen und einzeln bearbeitet.
Alle Jugendlichen und Mitarbeiter müssen sich ein neues Begrüßungsritual ausdenken:
Begrüßung ja, aber nicht mehr mit Umarmungen, Küsschen oder Händeschütteln, sondern begrüßen auf Distanz. Gesten, die Umarmungen andeuten, werden mit netten Worten wie „fühl Dich gedrückt“ betont und in gebotener Distanz getauscht; auch ein „Abklatschen“ mit den Füßen wird gepflegt, bei dem ein gewisses Risiko zum Taumeln nicht ausgeschlossen ist!
Zahlreiche Hinweisschilder zum Abstands- und Maskengebot, zur Händehygiene, Nies-und Hust-Etikette oder Pfeile zur Lenkung der Schülerströme begegnen und begleiten uns im ganzen Haus. Hauptaufgabe in den kommenden Wochen wird es sein, die erweiterten Hygieneregeln und ungewohnten, neuen Verhaltensweisen ins Bewusstsein zu rufen und sich stets daran zu erinnern.

Sitzgelegenheiten können oft nur mehr von einer Person genutzt werden, da der zweite Platz schon durch eine Schachtel oder einen Holzklotz mit freundlichem Hinweis besetzt ist.
Die Klassenzimmer sind im Verhältnis zur Schülerzahl an Förderschulen oft zu klein, weshalb Klassen geteilt werden müssen, um die Hygieneanforderungen einhalten und die Sicherheit der Jugendlichen gewährleisten zu können. Jetzt muss wieder die gute, alte Brotzeitbox mitgebracht und das Pausenbrot daheim selbst geschmiert werden. Eine Pausenverpflegung in unserer gemütlichen „Trattoria Garda“, die viele sehr vermissen, kann leider noch nicht angeboten werden.

Aber es klappt erstaunlicher Weise recht gut! Die Klassen gehen zeitversetzt in die Pause, sodass jeder frische Luft schnappen kann, sich aber durch eine zu große Ansammlung von Menschen nicht in Gefahr bringt. Die meisten Jugendlichen nehmen die Situation ernst und geben sich große Mühe die neuen Regeln einzuhalten. Wir können auf unsere Schüler*innen richtig stolz sein, wie sie die Situation meistern!


Der persönliche Austausch tut allen richtig gut! Witze, Rufe, Lachen erfüllen wieder unsere Gänge und unseren Pausenhof! Der zwischenmenschliche Kontakt ist eben durch nichts zu ersetzen!

Erfahrungen werden geteilt, Neuigkeiten ausgetauscht und – Zuversicht gewonnen, dass es trotz Corona in die Zukunft geht und unser Dasein lebenswert ist.
Wir alle freuen uns sehr auf unsere Schüler*innen!
 

 

Christiane Simbürger, SoKRin, Mitarbeiterin in der Schulleitung

03.06.2020
Fotos: AKB / Weindl / Kolping München

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