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Die Welt der Klischees durchbrechen

Die Vielfalt der Gesellschaft zeigen und dabei Geschlechterklischees kritisch hinterfragen: Das war Thema eines Workshops von Filomele mit Teilnehmer*innen des Berufsintegrationsjahrs (BIJ) an der Kolping Bildungsagentur in München. Unter dem Motto „Paradise Lost #gender shift“ erkundeten die Jugendlichen auf spielerische und künstlerische Weise, wo überall festgefahrene Rollenbilder und Vorurteile lauern.

Auch wenn sie anfangs mit dem Begriff „Gender“ nichts anfangen können, finden sich die Teilnehmenden schnell in die Thematik ein. Benita Meißner, die Kuratorin der Ausstellung „Paradise Lost #gender shift“, konfrontiert die Schüler*innen mit freizügigen Fotos im DG Kunstraum der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst. Die Besucher betrachten die Porträts der abgebildeten Menschen, die wiederum die Besucher betrachten:  Wer schaut hier wen an?

Frau oder Mann – das ist auf den Fotos nicht immer eindeutig erkennbar. Woran macht man fest, was männlich, was weiblich ist? Wie hat sich die Rolle von Frau und Mann im Laufe der Zeit geändert und wie wird sie sich weiter ändern? Mit verschiedenen Fragen führen Elli Hurst und Miriam Gniwotta von Filomele, einer Agentur für Kulturprojekte, die Jugendlichen an die Thematik heran.  „Wer kocht bei euch zu Hause?“, fragen sie in die Runde. Die meisten antworten wie selbstverständlich: „die Mutter“.  

Die Schüler*innen bekommen nun Zettel und sollen darauf Begriffe schreiben –„Hashtags“ in der Sprache der Digital Natives –, die für sie typisch weiblich oder typisch männlich sind.  Sie schreiben: „Sportler“, „kämpfen“, „arbeiten“, „kochen“, „Kleid“, „Hose“, „lange Haare“, „kurze Haare“, „Make up“, „Lippenstift“, „Schönheit“, Namen von Körperteilen und einiges mehr.
Geschlechterklischees und Schönheitsideale werden ergründet und anschließend kritisch durchleuchtet, denn: „Jeder Mensch hat seine Berechtigung“.

Anschließend dürfen die Jugendlichen selbst künstlerisch aktiv werden. Gemeinsam mit den beiden Dozentinnen unternehmen sie in zwei Gruppen einen Spaziergang durch die Innenstadt – mit dem Auftrag, Motive mit ihren Smartphones einzufangen, die ihnen typisch männlich oder weiblich erscheinen.

Sofort fällt auf, wie viele Stereotype allgegenwärtig sind, die im Alltag kaum hinterfragt werden: Warum sind die Schaufensterpuppen alle so dünn? Warum sind die Damenschuhe in der teuren Boutique mit Glitzerschmuck verziert, die Herrenschuhe aber nicht? Warum zeigt das Schild an der Fußgängerzone eine Mutter mit Kind und keinen Vater? Warum arbeiten auf der Baustelle nur Männer? Ein großes Plakat an einer Hausfassade zeigt einen charakteristischen Fußballfan mit Schal und Hut, natürlich ein Mann. Auf der Heckklappe eines Lieferwagens prangt das Foto eines Profikochs. Warum ist Fußball typisch „männlich“ und kochen „weiblich“, Spitzenköche aber fast immer Männer? Es kommen plötzlich viele Fragen auf, die zum Nachdenken ermuntern.  

Auf einmal entdecken die Teilnehmer*innen an jeder Ecke neue Objekte, die auf Geschlechterklischees verweisen. Mit ihren Handys nehmen sie, nun für die Thematik sensibilisiert, die vielen Eindrücke begierig auf. Dabei entstehen schöne und interessante Schnappschüsse, die Stoff genug hergeben würden für eine eigene Ausstellung.

Das Ausstellungsprojekt beleuchtet die Themen Gender, Sexualität und Identität. Initiiert wurde es durch die Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst e.V., in Kooperation mit der PLATFORM und dem Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler München und Oberbayern e.V.

Bereits beim Projekt „Film it“, einer Kooperation der Sammlung Goetz mit der Kunstagentur Filomele und dem Haus der Kunst, konnten Teilnehmenden einer BIJ-Klasse an der Kolping Bildungsagentur in München mit ihren Smartphones künstlerisch tätig sein und eigene Kurzfilme drehen.
(Link: https://www.kolpingmuenchen.de/aktuelles/detail?newsid=181 )

 

Autor: Till Dziallas

09.07.2021
Gender-Klischees begleiten uns im Alltag (Foto: privat)
Geschlechterrollen sind fest in unserem Denken etabliert (Foto:privat)