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X-Games: Radikalisierung im Schnelldurchlauf

Welche Mechanismen führen zu Radikalisierung und wie können junge Menschen sich davor schützen? Das zeigte der Workshop „X-Games“ mit Jugendlichen an der Kolping Bildungsagentur auf sehr anschauliche Weise. 

Eine junge Frau mit weißem Kittel betritt entschlossen das Klassenzimmer. „Guten Morgen“, begrüßt sie die Schülerinnen und Schüler in energischem Tonfall. Leises Gemurmel kommt als Antwort zurück. „Guten Morgen“, wiederholt die Frau mit lauter Stimme. Die Schülerinnen und Schüler richten sich auf. „Guten Morgen“, kommt es wie aus einem Mund zurück. Die Aufmerksamkeit ist jetzt da und schon geht es los.

Die Jugendlichen werden in zwei Gruppen aufgeteilt. „Ihr seid Gruppe A und spielt gegen Gruppe B“, wird die erste Gruppe von ihrer Gruppenführerin, ebenfalls im weißen Kittel, begrüßt. Wahllos werden Regeln eingeführt, verändert und wieder abgeschafft. Die Namen der einzelnen Gruppenmitglieder werden durch Nummern ersetzt. Beide Gruppen durchlaufen verschiedene Szenarien moralischer Dilemmata. Zur Auswahl stehen dabei immer nur zwei Möglichkeiten: Entscheidung A, oder B, Schwarz oder Weiß. Zum Beispiel: Darf man einem Kind die Finger brechen oder darf man einen Mann eine Brücke runterwerfen, wenn dadurch andere Menschenleben gerettet werden können?

Und die Teilnehmenden? Lassen sich darauf ein, spielen mit, schießen am Ende sogar (im Spiel) aufeinander. Geschickt nutzen die Spielleiter*innen subtile Mechanismen der Radikalisierung, die auch in extremistischen Gruppierungen oder Sekten zum Erfolg führen.

Anschließend folgen eine ausführliche Auswertung und Erklärung. Gemeinsam mit den Teilnehmenden erarbeiten die Spielleiterinnen und Spielleiter anschaulich, welche Mechanismen zur Radikalisierung führen, ähnlich einem Trichter, in den man immer weiter hineinrutscht und nur schwer wieder herauskommt. Die Teilnehmenden ziehen das Fazit: Nicht blind vertrauen. Es ist wichtig, dass du Personen und Dinge hinterfragst. Suche dir Verbündete, die der Sache ebenfalls kritisch gegenüberstehen. Gemeinsam ist es leichter, den Mut aufzubringen und „Stopp“ zu sagen, wenn das Bauchgefühlt dir sagt: hier ist etwas faul.

Der Workshop wird von dem Verein Inside Out e.V. unter dem Namen „X-Games“ durchgeführt. X steht hierbei für das Extreme. Durch ein partizipatives Rollenspiel sollen die Jugendlichen konfrontativ für die Argumente, Methoden und Denkweisen von extremistischen Gruppen sensibilisiert werden. 

In Zusammenarbeit mit Inside Out e.V. hat die libanesische Organisation Fighters for Peace im Anschluss an den Workshop „X-Games“ die BIJ-Klasse an der Kolping Bildungsagentur in München via Videokonferenz besucht. Ziad Saab, der sich als Teenager dem libanesischen Bürgerkrieg angeschlossen hatte, berichtete gemeinsam mit seiner Frau Christina Foerch und Dolmetscher Monzer Haider. Seine Botschaft: Gewalt ist keine Lösung.

Lesen Sie hier den Bericht.

 

David Trenk, Kolping Bildungsagentur München

31.01.2022
X-Games in der Kolping Bildungsagentur in München. Prävention durch Bildung. (Foto: Dziallas)