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Fighters for Peace: Macht nicht die gleichen Fehler!

In Zusammenarbeit mit Inside Out e.V. hat die libanesische Organisation Fighters for Peace im Anschluss an den Workshop „X-Games“ bereits zum zweiten Mal die BIJ-Klassen an der Kolping Bildungsagentur in München besucht, pandemiebedingt diesmal virtuell per Bildschirm: Ziad Saab, der sich als Teenager dem libanesischen Bürgerkrieg angeschlossen hatte, erzählte per Videoschaltung seine Geschichte.

Bereits mit 14 Jahren trug Saab Waffen, zwei Jahre später, 1975, kämpfte er im Krieg: „Als der Bürgerkrieg im Libanon begann, war der älteste Kämpfer 20 Jahre alt, der jüngste war zwölf“, berichtet der Libanese. Wie in anderen Kriegen seien auch in diesem Bürgerkrieg vor allem junge Menschen „verbrannt“ worden. „Wir haben am Anfang geglaubt, es dauert nur ein paar Tage. Aber statt 15 Tagen hat dieser Krieg 15 Jahre gedauert“, fasst Saab seine Kriegserfahrungen zusammen. Mit siebzehn Jahren bekam er eine militärische Ausbildung in der Sowjetunion. Als der Krieg 1990 zu Ende war, war er 32 Jahre alt.

Wie kommt es, dass sich ein Kind entschließt, Waffen zu tragen und freiwillig in den Krieg zieht? Saab führt mehrere Beweggründe auf: Wie sein Großvater, der im Kampf gegen die französische Kolonialmacht gefallen war, wollte er ein Held sein und gemeinsam mit den Palästinensern gegen die libanesische Armee kämpfen. Er lebte damals in einem armen Stadtviertel am Rand von Beirut. Seine Eltern waren auf der Suche nach einem besseren Leben in die Stadt gezogen. Saab bezeichnet seinen damaligen Wohnort als ein Gebiet der Hoffnungslosigkeit.

 „Als ich älter wurde, wurde mir bewusst, dass es in dem Land eine große soziale Ungleichheit gab: Viele arme und wenige reiche Leute“, erzählt Saab. Während die reichen Menschen ein angenehmes Leben führten, mussten die armen leiden: „Das wollte ich ändern“. Hinzu kam eine Ideologie, die ihm eingetrichtert wurde, und an die er glaubte, wie an eine Religion: „Ich dachte damals, wer eine andere Überzeugung als ich hat, ist mein Feind.“

Sie wollten damals für ein besseres Land kämpfen. „Haben wir unser Ziel erreicht?“, fragt Saab und gibt die Antwort selbst: „Nein. Unser Land ist viel schlechter als vor dem Krieg“, so seine bittere Bilanz von 15 Jahren seines Lebens im Krieg: Zigtausende Todesopfer, Vermisste, Menschen die ihre Häuser verloren hatten oder das Land verlassen mussten. Nach dem Krieg hatten die Kommandeure die einstige „Schweiz des Nahen Ostens“ in Mafiamanier unter sich aufgeteilt. Die Situation im Libanon sei heute sehr kritisch, stellt Saab fest: Viele Menschen leben ohne Strom und Wasser. Er sieht sogar die Gefahr eines weiteren Bürgerkriegs, weil die Gesellschaft sehr gespalten sei.

„Es gibt keinen gerechten Krieg“

 „Wir gehen heute an Schulen, um euch zu sagen: Krieg ist keine Lösung. Macht nicht die gleichen Fehler, die wir gemacht haben“, so Saabs Botschaft. Es gebe immer mehr als nur zwei Möglichkeiten und man habe immer die Möglichkeit zu sagen: „Ich mache da nicht mit.“ Er unterstreicht: „Es gibt keinen gerechten Krieg, es gibt keine Gewinner im Krieg, es gibt nur Verlierer.“

Dabei sei es falsch, einen Schlussstrich unter die Geschichte ziehen zu wollen. Wer die Vergangenheit vergesse, mache die gleichen Fehler immer wieder: „Wir müssen über die Vergangenheit reden, um zu lernen und eine bessere Zukunft zu schaffen“. Die junge Generation habe die Aufgabe, den Teufelskreis aus Gewalt, die zu immer mehr Gewalt führe, zu durchbrechen.

Welche Mechanismen führen zu Radikalisierung und wie können junge Menschen sich davor schützen? Das zeigte der Workshop „X-Games“ mit Jugendlichen an der Kolping Bildungsagentur in München auf sehr anschauliche Weise. Die Teilnehmenden des Workshops erfuhren in einem Rollenspiel, wie es sich anfühlt, unter großem Druck schwerwiegende Entscheidungen treffen zu müssen. „Wenn man in einer radikalen Gruppe mitmacht, wird man am Ende enttäuscht sein“, resümiert Christina Förch.

 

Till Dziallas, Dozent (Kolping Bildungsagentur München)

22.01.2022
Ziad Saab berichtet den Schülern über seine erschütternden Erfahrungen im Bürgerkrieg. (Foto: Dziallas)