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Mit Sozialtraining gegen Gewalt und Drogen

In zwei intensiven Projektwochen mit mehr als 60 Workshops lernten Schüler*innen und Lehrkräfte der Adolf-Kolping-Berufsschule soziale und psychische Ursachen von Gewalt- und Drogenkriminalität zu erkennen und vorzubeugen. Kraftvolle Vorträge namhafter Referenten, wie die des Ex-Gangsters Maximilian Pollux und Dominik Forster, erzielten ihre Wirkung.

Es ist ganz still im Klassenzimmer der Adolf-Kolping-Berufsschule, als der Mann im schwarzen Kapuzenpullover 5 Wörter an die Tafel schreibt: Respekt, Geld, Coolness, Aufmerksamkeit und Loyalität. Der lässige Typ mit Glatze, dem alle Jugendlichen so gebannt zuhören, ist Maximilian Pollux (39). Er wünschte sich all diese Dinge, als er mit 14 Jahren begann, Drogen zu verkaufen und andere Jugendliche auszurauben. Hat er diese Ziele erreicht? Vielleicht für ein paar kurze Augenblicke - doch die hat er längst vergessen. Denn die Zeiten, in denen er Respekt genoss und mit seinem dicken Geldbeutel prahlte, waren kurz im Vergleich zu 10 leidvollen Jahren, die er in bayerischen Gefängnissen saß.

Pollux verlor im Knast nicht nur die Achtung vor sich selbst, sondern auch die seiner Familie. "Es ist das, was wir vergessen, wenn wir Scheiße bauen" sagt er. "Wir denken, wir zerstören nur unser eigenes Leben. Aber wir verbrennen alles um uns herum." Er spricht die Sprache der Jugendlichen und erreicht sie mit dem, was er sagt. Aus diesem Grund luden Romana Gehl (2. Sonderschulkonrektorin) und Susanne Giesau (Schulsozialarbeit), die Organisatorinnen des „Sozialtrainings an der Adolf-Kolping-Berufsschule“, den ehemaligen Intensivstraftäter und viele weitere Expertinnen und Experten nach München ein.

Sozialkompetenzen stärken

Das Konzept der vom 10. bis 21. Oktober stattfinden Projektwochen stand dabei auf zwei Säulen. Ein Aspekt war freilich die Gewalt- und Drogenprävention mit authentischen Erfahrungsberichten von ehemals Betroffenen, wie dem von Maximilian Pollux, Dominik Forster oder dem Kriminalhauptmeister Martin Ostwinkel, mit denen Jugendliche aus erster Hand über die Folgen von Gewalt- und Drogenkriminalität aufgeklärt wurden.

„Eine weitere wichtige Dimension erfolgreicher Präventionsarbeit ist aber auch die Stärkung des Selbstwerts und der Sozialkompetenz potentieller Risikogruppen“, weiß Sonderpädagogin Romana Gehl. Als Mitglied der Schulleitung war sie die Initiatorin des Projekts. Namensgebend für das zweiwöchige „Sozialtraining an der AKB“ standen deswegen in der zweiten Projektwoche zahlreiche Workshops zur Stärkung wichtiger Sozialkompetenzen wie Selbstbewusstsein, Selbstorganisation, Stressregulation und Suchtkompetenz auf dem Programm.

„Es geht darum, Stärken herauszuarbeiten und das Bewusstsein zu schaffen, dass man etwas wert ist.“, sagt Schulsozialarbeiterin Susanne Giesau. In 60 interaktiven Workshops ging es deswegen um die Entfaltung von Lebens- und Leistungspotentialen, die Förderung der psychischen Gesundheit im Setting Berufsschule und den Aufbau einer unterstützenden und fürsorglichen Schulkultur.

Die Workshops richteten sich speziell an 600 Schülerinnen und Schüler im ersten Ausbildungsjahr und der berufsvorbereitenden Klassen. Lehrkräfte und Schulleitung sahen während der Corona Pandemie, dass viele mit der Isolation des Lockdowns nicht klarkamen. Eine großzügige Spende an den Förderverein und die Unterstützung von Audi BKK / YouMynd!, ermöglichten es, im Zuge der „Willkommenskultur an der Schule“, auch dieses Jahr unterschiedliche Präventionsprojekte anzubieten.

„Wir möchten die Jugendlichen zu stabilen Persönlichkeiten erziehen.“, erklärt Andrea Garufo, die Direktorin der Adolf-Kolping-Berufsschule. Sie sei stolz, dass auch durch innovative Förderkonzepte wie das „Sozialtraining an der AKB“ 85% der Jugendlichen Deutschlands größte Förderberufsschule mit einem Gesellenbrief verlassen.

 

Markus Hengler, Referent für Öffentlichkeitsarbeit

27.10.2022
Maximilian Pollux diskutiert mit Jugendlichen über Gewalt- und Drogenkriminalität (Foto: Hengler)
60 Workshops zur Stärkung wichtiger Sozialkompetenzen (Foto: AKB)
Sozialarbeiter Mehdi Askasi von Sichtwaisen e.V. mit einem Jugendlichen (Foto: Hengler)
Ca. 600 Schüler*innen und Lehrkräfte nahmen an den verschiedenen Workshops teil (Foto: AKB)